Gelbe Karten für die Politiker
Augustdorf (mah). Der Protest geht weiter: Hatten Anwohner der Sandstraße noch am Montag Unterschriften gegen die geplante Verlegung des Spielplatzes zum Mergelweg unterschrieben, rückten sie am Donnerstag mit zahlreichen Kindern an. "Lasst uns unseren Spielplatz" war auf Plakaten und gelben Karten zu lesen.
Anlass für die Demo war die Sitzung der Haupt- und Finanzausschusses, der zu beschließen hatte, ob das Grundstück Sandstraße/Ecke Stukenbrocker Straße zum Verkauf gestellt wird - und dies in nicht-öffentlicher Sitzung gegen die Stimme der FWG auch tat. Verkauft wird die Fläche erst, wenn der neue Spielplatz in der Nachbarschaft fertig sein wird. Der Standort wird von Eltern und Anwohnern aufgrund der Nähe zum Bach, der "nicht einsehbaren Lage" und der sich dort aufhaltenden Jugendlichen bekanntlich abgelehnt.
Aufgrund des Protestes beantragte Hans Greulich (FDP), den Tagesordnungspunkt "Grundstücksverkauf" öffentlich zu diskutieren, was die Ausschussmehrheit mit Hinweis auf die Gemeindeordnung ablehnte. Eben diese Gemeindeordnung verbietet Greulich übrigens ein Antragsrecht, da er nur beratendes Mitglied im Ausschuss ist, stellte Bürgermeister Dr. Andreas Wulf (nach der Abstimmung) fest.
Jürgen Czolbe (FWG) wollte den Tagesordnungspunkt ganz absetzen, weil Dr. Wulf die Augustdorfer für Donnerstag, 2. November, zu einem Info-Abend in Sachen Spielplatz-Planung einladen will. "Wir dürfen über die 900 Unterschriften nicht hinwegsehen", sagte Czolbe. Greulich sprach von "Farce" und "mangelndem Demokratieverständnis"; Czolbe, dessen Fraktion sich im Fachausschuss gegen den Umzug des Spielplatzes ausgesprochen hatte, von "Bürgerverdummung".
Dies wies der Bürgermeister zurück. An dem Info-Abend werde es um alle Spielplätze gehen, und die Augustdorfer hätten im Rahmen des Verfahrens zur Bebauungsplan-Änderung die Möglichkeit, ihre Wünsche einzubringen.
Bürger-Information Anfang November.
Diese Bebauungsplan-Änderung hat das Ziel, auf dem Spielplatz-Areal den Bau von zwei Einfamilienhäusern zuzulassen. Im übrigen verwies der Bürgermeister darauf, dass eben dieser B-Plan seit 2000 gültig sei und nun geändert und umgesetzt werden solle.
Bemerkungen aus den Zuschauerreihen, sein Vorgänger Peter Hufendiek habe den Bestand des Spielplatzes im Juli 2003 zugesagt, beantwortete Dr. Wulf: "Damals gab es andere Voraussetzungen, der Spielplatz sollte ganz aufgegeben werden." Im übrigen sei der neue Standort keinesfalls unsicher und trinkende Jugendliche dort "kein Dauerzustand". Harald Schultze (CDU) sagte, das Spielplatzkonzept sei beschlossene Sache, es gehe nur noch um Grundstücksangelegenheiten.
SPD wie CDU wiesen Vorwürfe zurück, sie wollten Bürgerwillen abbügeln. "Die Anträge mit den Unterschriftenlisten gehen an den Rat, ganz normal", kommentierte Heinrich-Georg Schneider (SPD).
Quelle LZ-Online
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