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Erlischt die Glut?

Augustdorfer diskutieren Zukunft der offenen Jugendarbeit im "Funkenflug"

Augustdorf (aga). Die angespannte Finanzlage der Kommunen ist bekannt. Auch in Augustdorf wird händeringend nach Einsparpotenzialen gesucht. Nachdem nun jüngst die Lippische Landeskirche Haushaltsmittel zu Lasten der Ortskirchen gekürzt hat, sorgt man sich am Sennerand um den Fortbestand des Jugendtreffs "Funkenflug", der von der Kirchengemeinde getragen wird.

Der SPD-Ortsverein hatte deshalb zu einer parteiübergreifenden Diskussionsrunde in das Bürgerzentrum eingeladen. Gleich zu Beginn nahmen Pastorin Johanna Kunz und Pastor Dietmar Leweke der Runde vor etwa 50 interessierten Augustdorfern ein wenig Wind aus den Segeln. "Dieser Abend kommt für mich zu früh", machte Leweke deutlich, dass in der Kirchengemeinde noch nicht abschließend über den finanziellen Spielraum beraten worden sei. "Ohne die Zahlen braucht nicht nach Lösungsmöglichkeiten gesucht zu werden. Vielleicht benötigen wir gar keine Lösung", fügte er hinzu. In der nächsten Woche würden Gespräche mit dem Kreis über die Situation aufgenommen. Leweke regte an, bis zur Sitzung des Kirchenvorstands am Monatsende Ruhe zu bewahren. "Es gibt Ideen, die aber noch nicht so weit sind, sie in der Öffentlichkeit zu diskutieren."

Augustdorfs Bürgermeister Dr. Andreas Wulf wies darauf hin, dass auch die Verwaltung erst kommende Woche Beratungen für eine abgestimmte Meinung aufnehmen werde. Gleichzeitig wies er auf die angespannte Haushaltslage hin. "Nicht nur die Kirche hat Probleme mit den Finanzen." Für 2006 erwarte er ein ähnlich hohes Defizit von etwa einer Million Euro, wie schon im Jahr zuvor. In dieser Situation müssten alle Haushaltspositionen nach Einsparmöglichkeiten überprüft werden. Dabei müssten auch die Ziele und das Erreichte der offenen Jugendarbeit unter dem Kostenaspekt betrachtet werden: "Was wollen wir in Augustdorf erreichen?" Immerhin zahle die Gemeinde schon jetzt 75 Prozent der ungedeckten Kosten für den Jugendtreff. Außerdem, so Wulf, müsse im Zuge der Fortentwicklung der Ganztagsschule auch über die sich daraus verändernden Rahmenbedingungen für die offene Jugendarbeit gesprochen werden. Hans Böke, Fachbereichsleiter Jugend, Soziales und Gesundheit beim Kreis Lippe, forderte "intelligente Lösungen", verwies aber ebenfalls auf anstehende Gespräche. Keine Mittel vom Kreis zu erwarten Ausdrücklich lobte er die Qualität der im Jugendtreff "Funkenflug" geleisteten Arbeit. Bestimmte Elemente der Jugendarbeit müssten allerdings unter dem Stichwort Effizienz auf den Prüfstand. "Für 2007 sehe ich keine Möglichkeit, den Beitrag durch den Kreis zu erhöhen", machte er klar, dass aus dieser Richtung keine zusätzlichen Mittel zu erwarten seien. Uwe Fauck, Leiter der Jugendarbeit beim KOMM e.V. in Barn-trup, wies auf die gesetzliche Verpflichtung der örtlichen Träger hin, einen Plan für die Kinder- und Jugendarbeit aufzustellen, "der in einem sinnvollen Verhältnis zum Gesamtetat" stehen müsse. Aus mehr als 20-jähriger eigener Tätigkeit wusste er von der Weiterentwicklung der offenen Jugendarbeit zu berichten. Diese sei ursprünglich vor allem Freizeitangebot gewesen. Mittlerweile habe sie sich aber auch sehr stark zum Beispiel in den Bereichen Bewerbungsvorbereitung oder Hausaufgabenhilfe ausgeprägt.

Daniela Fey und Hermann Rubart vom "Funkenflug" machten deutlich, dass die offene Jugendarbeit vor allem Beziehungsarbeit sei. Hier würde Kindern und Jugendlichen eine Ansprechmöglichkeit in vielen Lebensbereichen geboten. Dies käme besonders Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Familien zu Gute. Deutlich machte Fey, dass die offene Jugendarbeit auf gar keinen Fall in Konkurrenz zu den Angeboten der Vereine und Verbände gesehen werden dürfe. So seien mehr als die Hälfte der täglich bis zu 130 Besucher auch in Sport- oder anderen Vereinen engagiert. Allerdings bleibe die offene Jugendarbeit wohl die einzige Möglichkeit, Beziehungen zu Kindern und Jugendlichen aufzubauen, die sich nicht in die Strukturen eines Vereins integrieren wollen oder können.

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