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Der Stein des Anstoßes ist porös

Heftiger Streit im Augustdorfer Haupt- und Finanzausschuss über die Zukunft des Obelisken

Ganz so stabil wie die Hinkelsteine des Obelix ist der vom Augustdorfer Unternehmer Bertold Dobbe der Gemeinde gespendete Obelisk offensichtlich nicht: Er bröckelt. Anscheinend ist das kalkhaltige Material nicht für hiesige Breitengrade geeignet. Aber Augustdorf liegt ja auch in der rauen Senne, nicht in der Bretagne, so wie das unbeugsame gallische Dorf. Ob der Stein jemals im Kreisverkehr aufgestellt wird, ist bis auf weiteres offen.

Im kleinen Dorfrat, dem Haupt- und Finanzausschuss, sorgte der Stein des Anstoßes jetzt für mächtig Zoff. Die Ratsherren und -damen rauften zwar nicht, und es flogen auch keine Fische, aber viel gefehlt hat nicht.

Jürgen Czolbe, der die Freien Wähler im Dorfrat vertritt und aufgrund seiner vielen Jahre im Rat durchaus als Methusalix gelten darf, hatte im Vorfeld sogar eigens eine Stellungnahme gemeißelt. Er erinnerte an die Umfrage, die das Rathaus unter den Bürgern durchgeführt hatte - mit dem seinerzeitigen Ergebnis, dass der Obelisk an die Schule sollte.

Wie berichtet, hatte "Häuptling" Dr. Andreas Wulf die Umfrage als nicht repräsentativ bewertet und mit der CDU den Standort Kreisverkehr durchgesetzt.
Czolbe kritisierte Dr. Wulf scharf, unterstellte ihm "Versagen" und trotz "seitenlanger teurer Erklärungen" im örtlichen Anzeigenblatt "schlechte Information". Er riet: "Sie müssen dringend Ihr Demokratieverständnis überprüfen, statt auf Kosten der Steuerzahler den Pressesprecher der CDU und der Verwaltung zu geben."

"Haben wir nichts Wichtigeres zu tun?" Hans Greulich
Der Obelisk, so Czolbe, sei nunmal nicht für Augustdorf geeignet - ob er das denn nicht vorher geprüft habe? "Und was heißt bis auf weiteres? Sollen wir den Kreisverkehr überdachen?" Der Beschluss sei aufzuheben.

Der Stein habe verpackt auf dem Bauhof gelegen, antwortete Dr. Wulf, der sich Polemik verbat: "Ich bin kein Gesteinsfachmann. Dass der Obelisk porös ist, war nicht abzusehen." Er habe dem Spender eigentlich eine öffentliche Diskussion ersparen wollen. "Ich werde allerdings auf Ihren Rat hören und künftig Geschenke vorher überprüfen."

Dies nicht getan zu haben, sei ein Fehler gewesen - dennoch verwehre er sich gegen die Behauptungen Czolbes. "Sie werfen mir Amtsmissbrauch vor - da erwarte ich eine nähere Begründung! Es ist meine Aufgabe, die Bürger über wichtige Entscheidungen zu informieren. Auch Sie haben mich damit beauftragt." Zur Umfrage sei zu sagen, dass sie selbstverständlich auf Repräsentanz habe ausgewertet werden müssen.

Für die CDU kommentierte Harald Schultze kurz und knapp: "Dumm gelaufen." Die Debatte werde der Sache nicht gerecht, man solle des Steinmetzen Urteil abwarten. Die SPD unterstützte Czolbes Antrag, den Beschluss aufzuheben. Weise wie Majestix fragte Hans Greulich (FDP): "Haben wir nichts Wichtigeres zu klären?"

Eine Antwort bekam er nicht. Und ob der Dorfrat sich anschließend bei einer frischen Cervisia zusammengesetzt hat, ist nicht überliefert.

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